Hallo, lieber Markt, was brauchst du denn?

Wie kann man Neues planbar und messbar machen? Woher weiss man, ob Menschen etwas brauchen / gut finden / präferieren, wenn es dieses „etwas“ noch gar nicht gibt? Haben Handybenutzer das iPhone, Fernsehzuschauer den Flatscreen und wir alle vor 20 Jahren das Internet vermisst? 

Dass der bisherige Erfahrungsschatz bei Kunden und im Unternehmen als Messlatte wenig taugt, bringt Artur Fischer (über 1.000 Patente u. a. für die Fischerdübel) im Interview mit der der Technology Review 11/2007 wie folgt auf den Punkt:

»…  Wenn ich hier im Unternehmen etwas anbiete, heißt es oft: da müssen wir erst Marktforschung betreiben. Ich sage: Womit denn? Das, was ich jetzt in der Hand habe, das haben Sie doch gar nicht. Wenn mich auf die Wiese stelle und sage: Hallo, lieber Markt, was brauchst du denn – der sagt mir gar nichts. Ich muss dem Markt etwas anbieten und dann entscheidet der Markt, ob es richtig ist oder falsch..« 

 

Das ist übrigens kein Statement gegen Marktforschung, sondern ein Appell für mehr Visionen (gerne auch mit der richtigen Marktforschung gestützt).

  1. Zu einem ähnlichen Thema habe ich eine Agenturmeldung geschrieben: http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=060517029

    Auszug: Die entscheidenden Ideen müssen nach Ansicht von Dr. Johannes Bussmann, Partner und Geschäftsführer der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton, aus den Unternehmen selber kommen und sind nicht beim Kunden zu finden: „Innovation kriegen wir nicht dadurch, dass wir den Kunden fragen. Wer glaubt, vom Kunden innovative Ideen zu bekommen, setzt den Hebel falsch an“. Der Kunde würde zwar irgendwann gebraucht, um Akzeptanz für ein Produkt zu finden. „Der Impuls kommt nicht vom Kunden. Aber wir können versuchen, bei ihm heutige Prozesse, Produkte und Services zu identifizieren“, so Bussmann weiter. Ein typisches Produkt sei der MP3-Player. „Der Verbraucher will viel Musik in einem möglichst kleinen Gerät haben. Gesucht ist nun eine technologische Idee, Speicherplätze so zu komprimieren, sie klein zu machen, dass es möglich ist, digital Audio und Video zu produzieren.“

    Die Basisinnovationen kämen eher von Außenseitern, Quertreibern oder seien Zufallsprodukte. iPod von Apple, VoIP von Skype, weitere Beispiele seien Amazon, eBay oder Google. „Wir brauchen deshalb weniger Barrieren, weniger Restriktionen, weniger Steuerung“, fordert Bussmann. Die Ideen müssten bei wenigen generiert werden. Dafür müsse eine Kultur vorhanden sein, dass die Leute, die Ideen haben und mit den Ideen auch vorankommen.

  2. Lieber Gunnar,

    Ja und Nein.

    Herr Bussmann hat natürlich Recht, dass das Entwickeln von Neuem eine ursächliche unternehmerische Aufgabe ist, ergo im Unternehmen stattfinden muss.

    Andererseits reicht es durchaus, Bestehendes neu zu interpretieren, aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten (so wie beim iPhone geschehen). Und um die Perspektive zu wechseln sind Kunden und Consumer-Insights immens wichtig! Allein schon, um uns alle vor einer Unmenge technischer und/oder marketingstretegischer Stilblüten zu bewaren (angefangen bei nach wie vor völlig intransparenten Handytarifen, über unsägliche Produktbezeichnungen a la „LE-26R86BD“ (=Samsung TV-Gerät) bis hin zu Autos mit ABS, EPS, TSC und diodeninnenbeleuchtetem Aschenbecher ;-).

    Sehr nett finde ich übrigens deine Meldung zum „Dummschwätzer-Boykott“
    http://www.sohn.de/A556D3/nena/NENA_NEU.nsf/0/432B468AB263D336C12575320040D3C3?OpenDocument

    Schöne Grüße

    Andreas Frank

    • Felex
    • 4. September 2009

    Schön und gut, aber es gibt noch eine andere Seite von Artur Fischer, den Erfinder des Fischerdübels aus den Fischerwerken.
    Den Dübel hat er übrigens nicht erfunden, nur erfinderisch war er bei der schwerbehinderten Tochter Fischer-Weber.
    http://www.fischerfratze.de
    Übel vom Dübel der Fischerwerke…

  3. Hallo Felex,

    nicht den Dübel im Allgemeinen, dafür aber den aus Polyamid: http://de.wikipedia.org/wiki/Artur_Fischer

    Und was deinen Hinweis zum Familienstreit der Fischers angeht noch drei Anmerkungen:
    1. Zum Streiten gehören immer zwei.
    2. Als Außenstehender kann und will ich das nicht bewerten.
    3. Familieninterner Zwist schmälert nicht Herrn Fischers Erfolge als Innovator, Unternehmer und Arbeitgeber.

    Andreas ;-)

    • Felex
    • 4. September 2009

    Da gebe ich Dir vollkommen recht. Nur die menschliche Seite von dem Herr Artur Fischer und seinem Sohn, ist moralisch verwerflich.
    Zumal er die Schwerbehinderung der Tochter verleugnet.
    Ein Mensch, von dem man annimmt, dass er gebildet ist, erwartet man doch sehr viel mehr und dieses kann man nicht abtun, dass es ein „Familienstreit“ ist, denn es ist ein „Familienunternehmen!

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