Betriebs-Romantik ?!?

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Vor 2 Wochen bekam ich von einem sehr guten Freund (und exzellenten Marktforscher – qualitativ, versteht sich) zu meinem wohl etwas verwegenen Gedankengang, man möge doch endlich mal die Telefonkärtchen-Verkäufer von T-Mobile und die IT-Freeks von T-Systems zusammen bringen, um dem iPhone zum verdienten Durchbruch bei Geschäftskunde zu verhelfen (Integration auf Basis von Microsoft Exchange), die trockene Antwort: du und deine naive BETRIEBS-ROMANTIK!

Nun ist dieses Beispiel ja unter Umständen tatsächlich besonders vertäumt. Fakt ist aber, dass es heute nicht mehr ausreicht, wenn Unternehmen bzw. Ingenieure das entwickeln, was sie besonders gut können. Gefragt und erfolgreich ist das, was Kunden brauchen.

Gestern nun haben sich zwei sehr nette Mädels bei der XING-Version des Möglichmacher-Blogs angemeldet. Beide studieren am Hasso Plattner Institut und beide haben dort am „Design Thinking“-Programm teilgenommen. Und siehe da:

Dort lehrt man „Betriebs-Romantik“! (Ätsch, mein Lieber!)

Um genau zu sein: man lernt dort wie man – ausgehend von den Needs der Kunden – Software schafft (Hasso Platter ist einer der SAP-Gründer), die Kunden wirklich gerne nutzen. Nicht einfach so, sondern mit interdisziplinären Teams. Dazu Terry Winograd bei Golem.de:

„Wir gehen sozusagen von außen nach innen vor und nicht umgekehrt. Wir fangen nicht mit den Technik an und fragen uns, wie wir daran anknüpfen. Wir gehen von den Bedürfnissen der Nutzer aus und fragen uns, wie wir dafür eine Anwendung oder ein Produkt schaffen.“

Design-Thinking ist also in zweierlei Hinsicht Betriebs-Romantik: Zum einen, weil man sich tatsächlich um das schert, was Kunden kümmert, anstatt das zu „vermarkten“, was gerade an vermeintlich neuen Features machbar ist. Zum anderen, weil man dazu abteilungs- bzw. disziplinübergreifend denkt und handelt.

Und genau das ist das revolutionäre – oder auch „romantische“ – an diesem Konzept. Wenn ich mir überlege, wie oft ich mir schon den Mund fusselig geredet habe, um Marketingdirektoren davon zu überzeugen, wie wichtig und richtig es ist, im (Marken-)Workshop nicht nur die eigene Abteilung, sondern kreative Köpfe aus sämtlichen Unternehmensbereiche, aus Vertrieb, R&D / F&E, Produktion und sogar aus dem Controlling etc. dabei zu haben, dann kann ich nur sagen: von echtem Design Thinking sind wir bislang noch Lichtjahre entfernt!

(Anmerkung: Gelingt es mir den MD davon zu überzeugen, dann sind das bislang ausnahmslos die ergiebigsten Workshops ;-))))

Und jetzt zur ersten Frage:
Warum eigentlich nur bei Software „Design-Thinking“?
Brauchen wir nicht alle eine Shampoo-Flasche, die morgens beim Duschen (zu Hause oder im Hotel) nicht von der Duschablage kippt?
Fänden wir nicht alle ein Deo-Flakon angenehm, das einem nicht beim Drücken der Pump-Mechanik durch die frisch eingecremten Finger flutscht?
Wüssten wir nicht alle Wurst- oder Käsepackungen zu schätzen, die sich nach dem Öffnen wieder verschließen lassen, damit unsere Frühstücksstullenauflage nicht völlig dehydriert Wellen schlägt? (Ja, ich weiss, das gibt´s schon. Und genau deshalb steht´s hier ;-)

Und nun zur zweiten Frage:
Wenn wir Berater / Planner / Kreative „Design Thinking“ für ein zukunftsträchtiges Konzept halten, warum versuchen wir uns dann nicht genau dort einzubringen?
Warum verballern wir viel zu oft eigenes Hirnschmalz und jede Menge Agentur-Manpower, um den mühseligen Versuch zu unternehmen, Pseudo-Innovationen in wirksame Kreation zu verwandeln?
Und weshalb nörgeln wir hinter verschlossenen Türen über die „Feature-itis“ der armen Produktmanager, anstatt endlich für und mit diesen für interdisziplinäres Design-Thinking zu sorgen – mit dem Ziel, so genau die Briefings zu erarbeiten, aus denen sich „geile“ Kreation fast wie von selbst ergibt?

Ich bin super gespannt auf eure Einwände oder Erfahrungen, Bedenken, Kommentare oder Beispiele für potenzielles oder bereits real existierendes Design Thinking – in der Werbung oder wo auch immer.

___________________________________
Noch `n paar Links:

—> ftd – Querdenken als Studienfach

—> Golem.de im Gespräch mit dem Informatiker Terry Winograd

—> Hasso-Plattner-Institut / Design Thinking

—> Das Vorbild: D-School der Eliteuniversität Stanford

—> Google-Videos zum Thema (bislang noch ungesichtet)

    • Michael Frey
    • 27. Februar 2009

    Ohne Witz. Eines meiner Lieblingsfeatures beim MacBook ist der kleine magnetische Stecker an der linken Seite. Keine Fummelei mehr, um eine Buchse zu finden und richtig herum mit dem Stecker zu bestücken. Ploppt sofort weg, wenn dir ein blöder Hund durchs Ladekabel rennt. Der Mac bleibt auf dem Tisch und liegt nicht auf den Kacheln. In einer Welt, wo Software-Innovationen regieren, finde ich so etwas einfach genial. Und von Duschdas gibt’s einen verkehrt herum bedruckten Deoroller. Der steht optisch auf den Füßen, aber in Wirklichkeit immer auf dem Kopf. Leider mieser Duft.

    • Michael Frey
    • 12. März 2009

    Designthinking. Der neue ipod shuffle kann jetzt sprechen, hat die Bedienungstasten im Ohrhörerkabel, ist halb so groß wie der letzte, hat doppelt soviel Speicher und kostet genau soviel wie vorher.
    http://www.apple.com/de/ipodshuffle/

  1. 19. August 2009

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