Face to face mit der Innovation.

Dienstag las ich bei Xing die folgende Statusmeldung eines bis dato eher entfernten Geschäftskontakts: „Wer kann FaceTime – will das gerne mal probieren“. Meine Antwort lautete „ich“ gefolgt von der Nummer meines iPhones.
Mittwoch morgen um 9:08 Uhr – das ist jetzt nicht gestrunzt, da arbeiten Werber schon – erhielt ich dann den eher unerwarteten Video-Anuf. Und nach 3 bis 4 Sekunden schwarzem Bildschirm tauchte auch tatsächlich das kristallklare und ruckelfreie Konterfei meines Gesprächspartners auf meinem iPhone auf.

Aber wie fühlt sich ein solches FaceTime-Telefonat denn nun an – mit einem fast fremden Geschäftskontakt, mit durchweg bescheidenen Erfahrungen bei der Videofonie via Skype und natürlich völlig unvorbereitet im schlampigen T-Shirt?

1. Man fremdelt.
Nun hoffe ich zwar, dass man mir das nicht all zu sehr angemerkt hat. Nichtsdestotrotz sind die ersten 1 bis 2 Minuten irritierend und man versucht anfänglich immer mal wieder einen kurzen Blick auf das eigene, kleine Bild in der rechten oberen Ecke zu werfen, um zu schauen, wie man sich denn gerade so macht. Viel zu erkennen ist da nicht – bis auf die irritierende Einsicht, dass die bislang stets unsichtbare Fluppe beim Videofonieren wenig telegen ist. (Mehr sehen wird man sicherlich, wenn FaceTime im nächsten Jahr auch auf´s iPad kommt – hoffentlich mit integriertem Ziggi-Ausblende-Filter ;-)

2. Man weiss nicht genau, wohin man schauen soll.
Klingt bei dem kleinen iPhone komisch, ist aber so. Denn üblicherweise blickt man seinem Gesprächs- und insbesondere seinem Geschäftspartner ja in die Augen. Doch genau da reicht schon der Abstand von wenigen Zentimetern zwischen der links oben angebrachten iPhone-Kamera und dem darunter befindlichen Livebild seines Gegenüber, um merklich an selbigem vorbei zu gucken. Das ist dann ungefähr so, als würde man im realen Leben permanent dessen zweitobersten Hemdenknopf fixieren – mir persönlich ist das etwas zu devot. Schaut man hingegen auf die iPhone-Kamera und damit dem Gesprächspartner direkt ins Gesicht hat man selbst nur noch wenig vom synchron übertragenen Konterfei der anderen Seite. Es wird also Zeit, dass mal jemand eine Kamera erfindet, die ins Display integriert ist. Nicht fix, sondern so, dass sie gleichzeitig der Blickrichtung folgt. Das wäre dann, da bin ich mir sicher, der ultimative Durchbruch der Videofonie.

3. Man fasst sich kurz.

 

Bildtelefon T-View 100 der Deutschen Telekom

 

Zwangsweise. Denn nach 5 Minuten ist Schluss – zumindest in 100 % der zwei von mir getesteten FaceTime-Telefonate. Doch egal, ob der unfreiwillige Abbruch nun am Velberter, Erkrather oder Mannheimer WLAN lag: Bis dahin lief die ganze Chose so was von smart und unkompliziert, dass sich Facetime durchsetzen wird. Auch wenn es all das schon zu Zeiten der ISDN-Einführung gegeben hat und auch wenn private Telefonate wohl mehr Anlässe bieten als geschäftliche, wie die amerikanischen iPhone-Spots mit maximalem Gänsehaut-Faktor zeigen (insbesondere Sport 1).

4. Würde ich Facetime noch mal geschäftlich nutzen?
Ja.
Vielleicht nicht unbedingt währen der Warm-Up-Phase meines Büroalltages (also erst nach 9:10 Uhr ;-) Aber zukünftig zum Beispiel immer dann, wenn ich nicht nur die Stimme hören, sondern auch den Gesichtsausdruck meines Gesprächspartners sehen möchte – genau so, wie echten Leben. Denn Mimik ist eine unschätzbare Informationsquelle. Um Menschen besser einzuschätzen zu können und um neue Freunde zu gewinnen.

In diesem Sinne auch schöne Grüße nach Mannheim.

  1. No trackbacks yet.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: