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Igittigitt, überrasche mich nicht!


Imaginäres Briefing-Vorwort: „Präsentieren Sie mir ausschließlich Bekanntes. Überraschen Sie mich nicht! Als ich fünf war habe ich mit so was schlechte Erfahrungen gemacht.“ 

Das sagt, geschweige denn schreibt natürlich niemand. Schon gar nicht im Job. Aber im Privaten und ohne Business-Korsett scheinen immer mehr Menschen – gestandene, gut ausgebildete Besserverdienende im zarten Alter zwischen 35 bis 50 – genau so zu denken. Ja schlimmer noch: Man steht sogar offensiv und öffentlich dazu. Gelegentlich sogar, wenn der eigene Adoleszent daneben steht.

So geschehen im April, als meine Göttergattin und ich einem Düsseldorfer Pärchen über den Weg liefen, das wir kurz zuvor auf einer Party kennen gelernt hatten, zu dem der Gastgeber eine vortreffliche Auswahl an Sushi (mit und ohne Fisch) aufgefahren hatte. Auf meine Anmerkung, dass Party nebst Sushi ja wohl der Hammer gewesen seien, erhielten wir von unserer mondänen Neu-Bekanntschaft und Mutter eines augenscheinlich 14- oder 15-jährigen Sohnes die etwas schmallippige Antwort: „Sushi mag ich nicht. Ich habe das aber auch noch nie probiert.” Der Nachwuchs stand reichlich verlegen daneben (das lässt hoffen). Der Gatte schwieg routiniert.

Einzelfall? Bestimmt!

Pustekuchen: 14 Tage später erklärte mir nämlich ein guter Freund mit glaubwürdig angeekelter Stimme, er möge von Kindesbeinen an keinen Käse. Nie und nimmer, prinzipiell, kategorisch und höchsten mal auf Pizza. Ähm, ja … was sagt man jetzt jemandem, der sich noch heute an Grundsatzentscheidungen hält, die er im reifen Alter von 4 ¾ getroffen und die zu überdenken er die letzten 45 Jährchen keinerlei Motivation verspürt hat? Mit etwas mehr Geistesgegenwart vielleicht so was wie: Mal Glück gehabt, dass du damals keinen Wein probieren musstest. Wäre irgendwie schade um deinen feinen Weinkeller. Na ja, zu spät. Hinterher fallen einem ja immer die richtigen Sprüche ein. Aber vielleicht schicke ich ihm noch anonym ne TastyBox ;-))

Auch noch schön, die Story von der gestandenen Geschäftsfrau, die direkt zu Anfang ihrer neuen Beziehung die Krabben aus seinem liebevoll zubereiteten Risotto pult und mal eben klar stellt, dass sie grundsätzlich weder Fisch, noch Fleisch noch Schalentiere mag, um dann in Holland mit Begeisterung Frikandeln und Bitterballen zu vertilgen. Begründung: Da sieht man halt nicht, was es ist.

Und ebenfalls binnen der letzen fünf Wochen erlebt: Die Story von den zwei Düsseldorfer Jung-Managerinnen, die auf dem Carlsplatz am etwas gemächlichen aber unbedingt empfehlenswerten Flammkuchen-Stand (wir reden hier nicht von diesen gruseligen, häufig in studentischen Kneipen heimischen Tiefkühl-Brettern, sondern von perfekt frischer Elsässer Top-Qualität) den Gourmet-Flammkuchen bestellten. Der vierte von oben.

Flammkuchen auf dem Düsseldorfer Carlsplatz: Stand Nr. A 12

Allerdings ohne Krabben, ohne Käse und ohne Knofi – und selbstverständlich ohne nach dem Preis für den gerade neu kreierten Spinat-Flammkuchen zu fragen. (Beide Mädels bekamen übrigens vom meines Erachtens völlig überkulanten Wirt die doppelten Portionen für´s Geld – ungefragt.)

Nun kann man das öffentliche Eliminieren von 60 % aller Zutaten bei einer so exotischen Sache wie Flammkuchen vielleicht noch mit kulinarischer Überforderung entschuldigen. Aber besser macht´s das nicht. Denn bei allen vier Stories frag ich mich die ganze Zeit, was wohl passiert, wenn es diese Menschen mit Innovationen zu tun bekommen. (Im Job, versteht sich. Wie sie privat denken und lauthals agieren, wissen wir ja jetzt.)

Wenn vielleicht die Abteilung, der sie angehören oder gar vorstehen, um Einschätzung eines jungen, zarten Innovations-Ansatzes gefragt werden. Oder wenn sie womöglich selbst im Marketing, der Marktforschung, im Innovations- oder gar Top-Management dafür zuständig sind und Neues dort insgeheim aus der Perspektive ihres fünfjährigen Alter Egos bewerten, das sich Mangels Übung und Erfahrung vor allem ekelt, was nicht nach Nudel ausschaut.

Und ich frage mich natürlich, was zu Teufel noch mal dazu führt, das sich erwachsene Menschen ohne Not gegen das (erneute) Ausprobieren und somit gegen die Chance auf eine positive Erfahrung aussprechen!?! Wie kommt es zu einer solchen vorauseilenden Verweigerung?

  • Wurden all diese bedauernswerten Kenn-ich-nicht-mag-ich-nicht-Kindsköpfe tagein, tagaus mit Schweinskopfsülze, Kutteln, Kapern und kräftig durchgereiftem Harzer Käse gequält?
  • Verweigern unsere kulinarischen Dauerpubertierer vielleicht gar nicht das Ausprobieren, sondern kontrollieren und gestalten nur ihr eigenes „Reality Distortion Field“ – so wie Steve Jobs das u. a. mit seinen obskuren Diäten wie der „schleimfrei Diät“ und der Obstdiät zur Vermeidung von Körpergeruch gelebt hat, ohne dass man ihm ob dieser selbst auferlegten Genuss-Askese Innovationskraft absprechen würde?
  • Oder werden wir alle doch viel mehr als befürchtet, vom unserem Balance-System im limbischen Emotions- und Wertesystem dazu verdonnert, Routinen zu pflegen, Neues zu meiden und Bekanntes zu wahren?

Man weiss es nicht.

Ich für meinen Teil habe jedenfalls das starke Gefühl, das diese Einstellung tendenziell zunimmt. Unabhängig vom Alter aber sehr wohl abhängig vom Mangel an guten Vorbildern. Die zu liefern wird zwar nicht einfach. Aber vielleicht gelingt´s ja den „Kochzivilisten“, meinem neuen Blog rund um´s Kochen und Genießen.

Und falls es dort gelingt, den ein oder anderen Krabbenrauspuler und kulinarischen Neophobiker vielleicht doch zum Ausprobieren zu bewegen – mit dem größtmöglichen Commitment zum positiven Aha-Erlebnis, versteht sich – dann klappt´s vielleicht auch mit dem Innovationsstandort Deutschland.


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Innovations-Management: worauf es ankommt.


 

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In den letzten Monaten habe ich weit über 100 Telefonate geführt, um heraus zu bekommen, wie es um das Thema „Innovations-Management“ in großen deutschen Unternehmen bestellt ist. (*)

Auf meine Standard-Einstiegsfrage, wer denn bitte AUF GESCHÄFTSLEITUNGSEBENE für das Innovations- Management zuständig sei, erhielt ich höchstens 3 bis 4 mal eine direkte Antwort. Unter anderem, zu meiner Überraschung, vom TÜV Rheinland. 

Wie aus der Pistole geschossen flötete es mir dort entgegen: „Leiter unserer Abteilung Innovations-Management ist Herr Dr. Elmar Witten. Die Durchwahl lautet …  Einen kleinen Augenblick, bitte, ich stell Sie eben durch. Ach – und einen schönen Tag noch, Herr Frank.“ 

Das Telefonat war übrigens nicht minder verblüffend! Der Mann hat richtig Ahnung – und er hatte einen kleinen Fachartikel für mich, der schön klar (wenn auch etwas trocken) erklärt, auf was es beim „systematischen Innovations-Management“ ankommt. 

Zum Beispiel darauf, „schlummernde Ideen“ aufzudecken, um so die Akzeptanz für mehr Innovationen im Unternehmen zu steigert.

Z. B. darauf, die Fähigkeiten und die Motivation von Mitarbeitern bei der Entwicklung von Innovationen systematisch zu fördern.

Und nicht zuletzt darauf, dass Innovationen unbedingt die Unterstützung des Top-Managements erfordern.

Hier der Download: usp3-07_witten_3108071.pdf

(*) Die Research-Ergebnisse folgen etwas detaillierter im Laufe der nächsten Wochen.

In eigener Sache (2): Möglichmacher + Innovations-Enabler


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Wie kann man ein Blog „Möglichmacher-Blog“ nennen.

Wie kann man Menschen, die Innovationen möglich machen, in schönstem denglisch als „Innovations-Enabler“ bezeichnen oder von Innovations-Enabling reden.

So manch einem verursachen solche Wortschöpfungen Zahnschmerzen. Bislang ist uns aber noch nichts Besseres eingefallen. Und da Cook & Coach® ja explizit darauf abzielen, Führungskräfte darin zu trainieren, Innovationen möglich zu machen (weil wir der Überzeugung sind, dass mehr Innovationen nur dann funktionieren, wenn die oberste Führungs-Crew das aktiv fordert und fördert) sind beide Begriff inhaltlich ja auch durchaus richtig. Aber richtig schön sind sie nicht.

Also: 

Wem fällt etwas Besseres ein?

Wer findet einen Blog-Namen den es noch nicht gibt und der die Vision vom „Möglichmachen“ in einem Begriff auf den Punkt bringt — ohne Zahnschmerzen.

Wer außer den zwei Begriffen (die sollten eigentlich Ansporn genug sein) noch eine zusätzliche Motivation braucht: es gibt auch etwas zu gewinnen. Nämlich eines unserer Cook & Coach-Grubentücher (siehe Bild).

In eigener Sache (1): Der neue Cook & Coach-Auftritt ist online.


Nach gut dreieinhalb Tagen Bastelspaß ist sowohl die neue Website als auch das Cook&Coach.pdf fertig und online. Ziel war es, die Inhalte unseres Innovations-Management-Events zu straffen und bei der Website noch besser den Spaß an der Sache wider zu spiegeln – ohne die Seite zu überfrachten. Ob dieser Eiertanz gelungen ist, interessiert uns natürlich brennend. Also Feuer frei für jede Form der Manöverkritik! 

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Angucken kann man sich die neue Site unter www.cookandcoach.de. Das PDF-Büchlein zum Event gibt´s mit einem Klick auf das Bild rechts.

Eine Bitte noch: kommentiert bitte im Blog und nicht per Mail, also ohne falsche Rücksichtnahme. Denn sonst macht ein Blog keinen Sinn. 

 

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