Links 01/2011: Heute alles über Zukunft.


„Zukunft ist nicht mehr selbstverständlich. Sie muss wie der Friede gewonnen werden.“

Das ist die Quintessenz einer bemerkenswerten Dokumentation über das Jahr 2000 – und zwar so, wie sich namhafte Experten das 1967 vorgestellt haben. Kein Raumschiff Orion-Firlefanz (höre) aber dafür so spießig und spannend, so schwarz-weiß und bildstark, so altmodisch und progressiv, so naiv und blitzgescheit zugleich, dass ich mit dem Zuschauen nicht aufhören konnte. 48 Minuten mitten an einem ziemlich arbeitsreichen Tag (schönen dank auch an Living the future ;-)

Und damit sich jetzt keiner diesen feinen Film des kürzlich verstorbenen Rüdiger Proske wegen eines läppischen Stündchens Zeitaufwand versagt, findet ihr unter dem Video fein und artig die wesentlichen Highlights. Einfach mittels der Zeitangaben mit dem Regler unter´m Video direkt zum Themen springen – so ihr eine ruhige Hand habt.

Zum kritischen Vergleich gibt´s anschließend noch eine brandaktuelle Mobilitäts-Prognose vom Trendbüro für das Jahr 2030 sowie das nette Filmchen „Il était une fois… les technologies du passé” bei dem sich kanadische Grundschulkinder eine Floppy Disk und andere, längst verflossene HighTech-Gerätschaften zu erklären versuchen ;-)

Ach ja, noch ein kleiner Hinweis für die Jüngeren unter uns: 1967 gab es noch keine Werbe-Unterbrecher. Ihr müsst also selbsttätig durch das Drücken der Stopptaste für die nötige Pinkelpause sorgen. So ist das eben mit dem Fortschritt.

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00:57 … Die Ausgangslage: Atomzeitalter, Zeitalter der Kybernetik, der Raumfahrt, der Biologie. Rasantes Entwicklungstempo. Zentrale und absolut zeitgemäße Frage: Wohin soll das noch führen?
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02:30 … Impressionen über das, was 1967 als HighTech und als Zeichen des niemals endenden Fortschritts galt: Verkehrsflugzeuge, Autos auf Autobahnen, Spiegelreflexkameras für Jedermann, preiswerte Taschenbücher, Neonreklame, öffentliche Münzfernsprecher, Tonbandgerät und Schallplattenspieler, Fernseher, Nylonstrümpfe, Staubsauger, elektrisches Bügeleisen, Elektrorasierer, Föhn, Küchenmixer, Kühlschrank, Gefriertruhe, Mangelautomat, Waschmaschine, Vielfalt an Waschmitteln, IBM-Lochkarten.

03:46 … Schumpeter pur: Das Geschäft von 40 der 50 damals (1967) größten US-Firmen basiert auf Technologien, die es 70 Jahre vorher noch nicht gab.

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04:48 … Ein etwas vergeigter Erklärungsversuch für die aus damaliger Sicht unglaubliche technologische Dynamik: Die zweite „Universal-Mutation der Menschheit“ – nach der ersten vor 5000 Jahren (Erfindung der Schrift). Konsequenz: „Sogar unser Denken wird sich ändern, wenn wir planetare Räume erobern”.

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08:00 … RAND-Corporation und War-Gaming

Zukunftsforschung mit modernster Computertechnik für „neue Waffensysteme, strategischen Lagen und sogar politischen Entwicklungen“

08:24 … „War-Gaming“ in der Mittagspausen: Zwei sich gegenüber stehende Schachbretter sind durch einen Blickschutz getrennt. Spielziel: Nicht gewinnen, sondern die Züge des Gegners erraten. Das war das War-Game. (Da kann man nur sagen: Schwein gehabt!!!)
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09:25 … „Wir werden damit rechnen müssen, dass im Jahre 2000 viele Staaten über Atomwaffen verfügen und nicht alle von ihnen so rational denken werden, wie heute die USA und die UdSSR.“ (Aha, interessante Sichtweise mitten im kalte Krieg.)
09:40 – Atomkriegsgefahr steigt bis zum Jahr 2000

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10:05 … Für die Politik bleiben nur die weniger klugen Köpfe übrig.

11:00 … „Jede Politik, die sich auf die Geografie gründet, auf Kreise, Provinzen oder Nationalstaaten, ist dazu verurteilt, unmodern zu werden.”

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11:36 … „Parlament, möchte ich sagen, und politische Parteien haben heute nicht mehr jede dynamische Funktion, die sie hatten.“ (Dieses „möchte ich sagen” werde ich mir jetzt auch angewöhnen ;-)
11: 42 … „Die gebildete Elite unserer Tage ist viel weniger an der Politik der Nationalstaaten interessiert, als sie es früher gewesen ist. … Ein großer Teil der Weltpolitik wird sich vom Nationalstaat auf internationale Organisationen verlagern. … zum Beispiel ein Weltparlament …”

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12:35 … Überbevölkerung & Familienplanung

14:20 … Schätzung 1967 der Weltbevölkerung im Jahr 2000: zwischen 4, 5 und 7,4 Mrd (Tatsächlich: 6,115 Mrd laut UNO)

15:46 … Ernährung: Hilfe zur Selbsthilfe hat nicht funktioniert wegen „mangelnder Erziehung, religiöser Tabus und ungenügende nationale Verwaltungsorganisationen“.

Bei zwei Fehlernten hintereinander rechnet man mit Hungersnöten, die 10 bis 100 mal größer sind als die irische Hungersnot 1842 mit damals ein bis zwei Mio. Toten.

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16:58 … Neue Nahrungsquellen / Aquakulturen / Erschließung der Meere

17:50 … Jacques Cousteau über Aquakulturen ohne Zäune für „sesshafte Sepien“.

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18:28 … Leben unter Wasser: „Bis zum Jahr 2000 wird der Mensch die Festlandssockel der Kontinente erobert haben – zusammengenommen ein Gebiet, so groß wie Afrika. Er wird unter Wasser Seetiere züchten, nach Öl und Erdgas suchen und auch daraus Lebensmittel machen und nach wertvollen Metallen schürfen.”
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19:05 … Weltraum:

„Jeder Schritt zur Eroberung des Raumes hat wissenschaftliche und militärische Bedeutung zugleich.”

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20:25 … So geht´s:
1. Raumtransport.
2. nützliche Raumstationen, Raumhospitäler, Raumhotels, Raumfabriken.
3. Mondbasis.
4. Menschen nicht nur zu Venus und Mars, sondern auch zu Merkur, Jupiter und Saturn.

21:35 … „Dabei ist der Flug zu anderen Planeten einfach eine Frage der Finanzierung.” Marslandung 1984, Kosten 400 Mrd. DM. Wegen neuartiger Triebwerke umfliegen wir erst in den 90ern Jupiter oder Saturn. Kosten noch nicht geschätzt. Vorab aber auf jeden Fall eine Mondbasis mit eigener Sauerstoff-Herstellung.

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22:18 … Zukunftsforschung

… im TEMPO (technical management planning organisation) von General Elektric: „Computer können nicht die delikate menschliche Urteilskraft, die jeder Art von Projektion zu Grund liegt, ersetzen.” Dafür gibt es interdisziplinäre Teams aus Juristen, Ingenieuren, Wirtschaftswissenschaftlern, Geschäftsleuten und Offizieren.

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24:53 … Städteplanung:

„Mindestens 80 % der Menschheit werden bis zum Jahre 2000 in Städten leben. Damit wird die Struktur der Familie belastet, Lage der Jugend erschwert, Aufstieg des Verbrechens gefördert.”
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25:13 … Städte von Morgen, Dr. Robert Jungk
Schlimmste Prognose: Megalopolis mit 700 Mio. in Indien / asiatische Städte: 30 – 40 Mio. / Wir werden ganz sicher überall Hochhäuser bekommen. Z. B. Stahlskelette mit bis zu 100 Stockwerken, in die einzelne Wohnzellen hinein gehängt werden. Oder Wohnungen, die in 250 m Höhe an Fesselballons hängen. Vertikal 300 m ist besser als horizontal viele Kilometer. … „Das konnte einen neuen, großartigen Typ von Ikarus- oder Daedalus-Menschen geben, der einen weiteren Horizont als der heutige Mensch hat, der an der Erde klebt.”

Zum Vergleich: So sieht IBM das heute.
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28:15 … Datenverarbeitungsmaschinen

„Heute (1967) gibt es in den USA 30.000 Computer mit einer Kapazität von 20 Trillionen Rechenoperationen je Stunde. In 10 Jahren werden sich beide Zahlen verfünffacht haben.“
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28:36 … Wichtige Frage: „Kann man die Entwicklung der Computer im wesentlichen als abgeschlossen betrachten oder sind noch weitere Entwicklungsmöglichkeiten zu erwarten?“

Die Trends: Miniaturisierung und Schnelligkeit (1 Nanosekunde als Maßeinheit für Rechenschnelligkeit = Zeitraum in dem das Lichte einen Weg von 30 cm zurücklegt). Außerdem: „Wenn der Computer unmittelbar mit der Außenwelt kommuniziert, dann hat er auch die Chance, die Vorurteile und Irrtümer der programmierenden Menschen zu überwinden. … Dann muss der Computer auch nicht auf dem intellektuellen Niveau des Menschen stehenbleiben.“

31:16 … Beispiel für „weit entwickelte Intelligenz des Computers“: ein Scanner.

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31:57 … Einkommen steigt bis 2000 um den Faktor 50:

20 % der Menschheit lebt heute (1967) in der nachindustriellen Gesellschaft 50 mal besser als ihre Vorfahren. Zunahme des Lebensstandards um den Faktor 50.

„In den Nachindustriellen Gesellschaften gibt es einfach keine ernsthaften ökonomischen Probleme mehr. Im Jahr 2000 werden wir nur noch 36 Std. (1900: 60 Std.) arbeiten.“ Wie der Offsprecher anmerkt: d. h. 4-Tage-Woche.

34:00 … In den USA wird die Mehrheit der Arbeitnehmer im Jahr 2000 zwischen 80.000 und 160.000 DM (40.903 – 81.806 €) p. a. verdienen.
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34:25 … „In Europa, das (in 2000) noch nicht ganz den Status der nachindustriellen Gesellschaft erreicht haben wird, werden die Jahreseinkommen, die heute im Durchschnitt 7.600 DM betragen, auf 16.000 bis 32.000 DM steigen.” (8.180 bis 16.361 in €uro). Laut Innovations report betrug im Jahr 2000 das tatsächliche Netto-Jahreseinkommen 60.700 DM ( 31.035 €).
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34:41 … Freizeitgesellschaft und Mobilität:

„Was die Ameisenhaftigkeit der Städte, in denen wir leben, was der Anpassungszwang an die Organisationen, in denen wir arbeiten uns an Belastung aufbürdet, werden wir hier auszuleben suchen.”

35:57 … Höher, schneller, weiter: Autos, die sich in versenkte elektronische Leitkabel einklinken, Luftkissen-Schnellzüge, morgen 3 x und übermorgen 6 x so schnell wie der Schall. „Und vielleicht werden wir eines Tages sogar Raketen als Transportmittel benutzen, obwohl heute ihre Kosten für solche Fahrzeuge noch zu hoch und ihre Vorteile zu gering erscheinen“.
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36:53 … Refugium Heim:

„Das Heim von morgen sieht so aus: „Unzählige technische Apparate werden seinen Charakter bestimmen. Alle zu dem Zweck entwickelt, die Arbeit der Hausfrau zu erleichtern, die Überwachung der Kinder möglich zu machen und im allgemeinen der Tatsache Rechnung zu tragen, dass es Hauspersonal, zumindest zu Preisen, die eine normale Familie bezahlen kann, nicht mehr geben wird.” Außerdem: Unterhaltungselektronik, Video-Telephonie sowie privater und geschäftlicher Anschluss an das Kommunikationsnetz der Gesellschaft.

38:56 … Komplexität der Arbeitswelt begrenz Individualität: „Man wird den Menschen testen, psychologisch durchleuchten ein kategorisieren und seine Wünsche feststellen, um sein Benehmen schließlich so einrichten zu können, dass er im Produktionssystem möglichst wenig Reibungen verursacht.

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38:18 … Verhaltenskontrolle:

a) genetische Manipulation binnen der nächsten 20 Jahre (also bis 1987)
b) Belohnung / Bestrafung nach Pawlow
c) chemische Mittel wie etwa LSD

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40:31 … Medizin:

Nachbildung von Organen aus Kunststoff. 1967 gibt es 30 solcher Ersatzteile. Lebenserwartung in 2000: 100 Jahre.
„Gezielt neue Menschen Bauen: Spezialisten für den sauerstofflosen Weltraum, druckwiderstandsfähige Aquanauten, strahlenunempfindliche Soldaten, Trennung des Gehirns vom hinfälligen Körper.“

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42:27 … Die Prognosen der RAND-Corporation (siehe auch Szene ab 08:00):

1975: Zuverlässige Wettervorhersage

1978: Biologische Mittel zur Zerstörung des Widerstandswillens eines Gegners

1978: Energiestrahlen als Kampfmittel

1982: permanente Stationen auf dem Mond

1982: begrenzte Kontrolle über das Wetter

1983: Drogen zur Veränderung der Persönlichkeit

1985: Landung auf dem Mars

1989: Bergbau auf dem Meeresgrund

1990: künstliches Eiweiß für Nahrungsmittel

2000: Unterwasserfarmen produzieren 20 % aller Lebensmittel

2006: Stationen auf dem Mars

2020: Landung auf einem Mond von Jupiter

2020: Direkter Kontakt zwischen menschlichem Hehirn und Computer. Heraufkunft der Mensch-Maschine.

2022: Kontrollierte Hypnotisierung ganzer Völker als militärische Maßnahme

2023: Möglichkeit, Gedanken zu lesen.

2023: Vorbeiflug am Pluto und Kontakt mit anderen Milchstraßen

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43:30 … Entwicklung in der Biologie toppt alles.

44:29 … Die Prognose von „Helmer & Gordon“ zur Biologie:

1989: primitive Formen künstlichen Lebens

1994: Immunisierung gegen alle Bakterien- und Viruserkrankungen

2000: Fähigkeit, unsere Erbmasse beliebig zu verändern. Kontrolle über unsere Evolution.

2008: Fähigkeit, Organe und Glieder beliebig nachwachsen zu lassen

2012: Drogen zur dauernden Erhöhung der Untelligenz

2023: Verlängerung des Lebens um 50 Jahre

2023: Zucht intelligenter Tiere

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44:59 … Wie kann der Mensch all das kontrollieren?

Nach welchen Wertmassstäben soll er entscheiden? Darüber diskutieren täglich 20 – 30 Experten für 1,5 Std. (zuzüglich „Lönsch“ ;-) und frei von finanziellen Nöten und anderen Verpflichtungen im Center for the study of democratic institution, Santa Barbara.

Ziel laut Institutsleiter Dr. W. H. Ferry: „…Die Aufgabe einer Einrichtung, wie der unseren, muss heute darin bestehen, die politische Phantasie des 20sten Jahrhunderts der voran eilenden technologischen Phantasie unserer Zeit anzugleichen.“

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47:30 Zukunft ist nicht mehr selbstverständlich. Sie muss wie der Friede gewonnen werden.

Die Zukunftsforscher

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Würde mich sehr interessieren, welche Passagen euch besonders gefallen, beeindruckt oder amüsiert haben.

Und hier noch die Mobilitäts-Prognose vom Hamburger Trendbüro für das Jahr 2030 sowie die kanadische Grundschulkinder, die sich eine Floppy Disk und andere, längst obsolete HighTech-Gerätschaften zu erklären versuchen.

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Umsatz mit neuer Technologie

Kriegsgefahr

Wissensverdopplung

Arbeitszeit

Jahreseinkommen USA 2000

Jahreseinkommen Europa 2000

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